Call Cutta   zurück
Sobald das Mobiltelefon in deiner Hand klingelt, beginnt das interkontinentale Theaterstück: Es meldet sich eine Stimme mit indischem Akzent, noch ist sie fremd, bald wird sie zu deinem Verbündeten. «Siehst du vor dir das rote Haus? Geh darauf zu, bück dich als würdest du die Schuhe binden, dann kannst du unauffällig ins Kellerfenster schauen. Sind die Vorhänge offen? Was tut die Angestellte am Schreibtisch?... Dann geh jetzt schnell weiter zur Tür...»
Schritt für Schritt führt das Gespräch durch die Sozialbaulandschaft Kreuzberg West. Wort für Wort wird die Stadt zu einem Film, dessen «Kamera» ein telefonierender Spaziergänger ist. Der Ton changiert zwischen Service Line, GPS Navigation, Blind Date, Beichte und indischer Gesprächskunst: live, 1:1.

So wie Tausende von deutschen Arbeitsplätzen sind auch die Performer von Call Cutta geoutsourced. Sie sitzen 15’000 km und viereinhalb Stunden Zeitverschiebung östlich, im Infinity Tower, Nordostkalkutta, Westbengalen, Indien. Sie wissen über Berlin genau so viel wie andere Call-Center-Angestellte über ihre transatlantischen Kunden. Sie folgen einem Skript, das nach vielen Seiten offen ist. Kann eine Stadt mit einer Gebrauchsanweisung überschrieben werden?

Call Cutta erforscht, was passiert, wenn die transatlantische Unterhaltung weder dem Verkauf, noch der Computerassistenz dient, sondern der Verführung durch den eigenen städtischen Dschungel.
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